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Die Entdeckung der Langsamkeit in Zeiten von Corona im April 2020

Ich sitze oft in dem offenen Gartenhaus unter einer Birke. Der Liegestuhl steht so, dass ich die Blätter im Wind betrachten kann und vereinzelte Sonnenstrahlen durch die Äste blitzen. Die kreative Pause gibt neue Energie, Leichtigkeit, Geduld und neue Ideen. Eine Kletterrose wächst am Balken entlang. Die Rose ist eine Kämpferin. Sie wächst unter erschwerten Bedingungen unter der Birke und sucht sich ihren Weg zum Licht. Trotzdem blüht sie immer wieder wunderschön und ist für mich ein Sinnbild für Liebe und Duft. Ich mag den Rosenduft sehr gern. Ich blicke auf das Kräuterbeet mit Heidekraut, Salbei, Zitronenmelisse, Pfefferminze, Frauenmantel, Beifuß und Bärlauch. Einige Kräuter nutze ich zum Räuchern des Hauses. Beerenbüsche und ein Apfelbaum stehen darin und die Meisen hüpfen von Ast zu Ast. Ein Grünspecht fliegt auf die angrenzende Wiese. Mein Hund kommt dazu. Manchmal sitze ich aber auch lieber auf der Terrasse in der Sonne. Von beiden Plätzen habe ich einen guten Blick auf meinen Meditationssteine und den Steinkreis.
Der Meditationsstein ist kniehoch und steht senkrecht in der Wiese. Er hat viele Ecken und Kanten. In der Sonne funkeln die Kristalle des Amethyst und des Bergkristalls.
Ich entscheide mich zu schreiben. Gedanken aufspüren, ihnen Raum geben loslassen. Die Gedanken fliegen wie Wolken dahin, einer nach dem Anderen, soviel Gedanken, Entscheidungen treffen, Lösungen finden, anderen helfen. Entscheidungen treffen bringt Kraft, wenn ich mich dazu entscheide diese vielen Gedanken loszulassen, aufzuschreiben, in eine Form zu bringen, zu überdenken. Und immer kommen neue Gedanken, sie fliegen wie Wolken am Himmel und schon ist der nächste Gedanke da. Wie soll ich mich entscheiden? Welchen Weg soll ich gehen? Ich kann mich entscheiden den Weg der Freude zu gehen, die Gedanken loszulassen, das bedeutet Freiheit, Erleichterung und gibt neue Energie. Ich kehre mit meinen Gedanken wieder zu meinem Atem zurück.
Neue Energie für einen neuen Weg.
Soviel Gedanken wie Wolken am Himmel und ich lasse sie weiter ziehen. Der Atem kommt und geht.
Immer dem Fluss folgend, dem Fluss der Gedanken folgend, dem Fluss des Lebens folgen.

Brücken bauen

Es geschah ein Schicksalsschlag der mich ins Mark erschütterte. Ich hatte plötzlich das Gefühl auf einer Insel zu stehen, um mich herum tobt ein Sturm und die Erde bricht um mich herum weg. Da ging es nur ums Überleben. Todesängste kommen hoch. Hat sich der Sturm gelegt, sehe ich das Ausmaß der Schäden. Ich stehe ganz allein wie ein Fels in der Brandung und versuche nicht unterzugehen, das was mir bleibt zu sichern. Ständig diese Angst unterzugehen, nicht weiterleben zu können und doch Stärke zeigen zu müssen und wieder bricht ein Stück Fels weg… Rettungsboote versuchen  an Land zukommen…keine Chance….Ich kann die Hilfe nur schwer annehmen….ich kann mich nicht bewegen…bin wie gelähmt….ich muss einen Weg finden… die Zukunft ungewiss….versuche ich eine Brücke zu bauen…das ist mein Job….Nur um am Ende zu sehen, das auf der anderen Seite eine ganze Armee aufgerückt war…Ritter in glänzender Rüstung, Lanze im Anschlag.

So hatte ich mir doch meinen Scheinriesen im Seminar vorgestellt. Einen Ritter in glänzender Rüstung, aber doch nicht eine ganze Armee…Und kaum hatte ich die erste Reihe besiegt und ich freute mich, rückten schon die nächsten nach….Wie kann ein Mensch nur so viele Ängste haben? Das ist doch nicht zu bewältigen…Resignation, Frust und auf in den nächsten Kampf…

….aber wohin…kein Land in Sicht….Wann hört dieser Kampf endlich mal auf?

Dann lass doch mal los, lass dich fallen, lass die Tränen kommen….

Dann stell ich mich auf meine Brücke, gerade und aufrecht schaue ich dem Feind direkt in die Augen. Und auf einmal werden die Ritter ganz klein. Ich gehe über die Brücke und die Ritter fallen einfach um. Ich stehe da, mit klopfendem Herzen und jetzt? Ganz schutzlos fühle ich mich. Was mache ich den jetzt ohne meine Ritter? Wo führt mich mein Weg hin? Wo bin ich? Erstaunt sehe ich mich um. Eine eiserne Faust umklammert mein Herz. Das Land ist von den Rittern verwüstet, trostlos verbrannte Erde. Unsicherheit,  Zweifel machen sich breit. Ich muss mich erst neu entdecken. Das Land will gepflegt werden, einen Garten anlegen, Wasser suchen, wo ist die Quelle? Ein hoher Berg erhebt sich am Horizont. Dort könnte die Quelle sein. Ich gehe auf ihn zu. Überall dicke Steinbrocken. Ich sehe die Quelle. Ganz zugeschüttet ist sie und gut bewacht von zwei steinernen Riesen. Ich gehe auf sie zu, das ist meine Quelle, meine innere Quelle, dort ist meine Kraft verborgen. Ich muss noch viele Steinbrocken aus dem Weg räumen. Ich brauche Hilfe. Auf einmal stehen die Riesen da und helfen mir. Und plötzlich sprudelt die Quelle wieder. Ich fühle die Kraft, das Wasser rauscht den Berg runter und breitet sich aus. Damit werden auch die letzten Steinbrocken noch gelöst und weggeschwemmt. Erste Blumen fangen wieder an zu blühen. Ein See bildet sich. Ein Fuchs kommt zum Trinken, ein Reh steht dabei. Mein Sohn spielt am Wasser. Blauer Himmel. Adler kreisen. Ich spüre die Kraft tief in mir.

Und am anderen Ende des Tals sehe ich meinen Partner und meine Tochter stehen. Sie stehen noch im Schatten und es ist noch ein langer Weg, den sie zu gehen haben. Tiefe Gräben und Steinbrocken sind zu überwinden. Aber sie machen sich auf den Weg und ich warte auf sie. Sie werden es schaffen, den Weg ins Licht….

Und mein Leben liegt wie in 1000 Puzzleteilchen vor mir ausgebreitet. Ich brauche es nur noch richtig zusammenzufügen….es ist alles vorhanden….und auf einmal ist alles ganz leicht.