Ich versumpfe in meinem Rückzugsort. Wir gehen durch ein feuchtes Gebiet, nasses Gelände. Nasser schwammiger Boden, kein fester Halt, um mich zurückzuziehen.

Ich fühle mich unsicher auf dem nassen Boden, wo ist mein Weg, wo ist ein Halt? Er führt in eine Sackgasse, blockiert durch umgestürzte Bäume. Ich sollte meiner Intuition folgen, die diesen nassen schwammigen Weg nicht gehen wollte.

Ich gehe zurück und suche einen anderen Weg. Berghoch, querfeldein durch den Wald an einem Bächlein entlang.

Ich komme an einen wunderschönen Ort, so grün und moosig. Mein Kraftplatz. Eine Mulde, ein Berghang im Rücken, eine Quelle zu Füßen. Ich setze mich erhöht auf einen abgeschnittenen Baumstumpf, von Moss bewachsen. Ich fühle mich so erhaben, wie eine Königin. Ich fühle mich wohl, eine Zeitlang. Dann schweift mein Blick. Der Platz ist zugewachsen, der Blick bleibt an einem vermoderten Baumstamm hängen. Er ist auf einer Seite mit Moos bewachsen, aber zerfällt schon. Mein innerer Kritiker? Es wird nass auf meinem Platz, ich stehe auf und schaue ins Tal. Ich fühle mich nicht mehr wohl.

Ist hier ein Rückzugsort, in dem ich versumpfe und dort unten im Tal fließt mein Fluss des Lebens, so weit weg? Ich sehe den rauschenden Bach von oben, dorthin fließt die Quelle, der kleine Bach. Ich mache mich auf den Weg, den Berg runter. Dorthin ist mein Weg. Ich will etwas mitnehmen, schaue mich um. Aber in diesem sumpfigen Gebiet ist nichts zum Mitnehmen. Ein Stück weiter, im kleinen, klaren Bächlein finde ich einen Stein. Das ist meine Kraftstein, der mir Mut macht an den Fluss des Lebens zurückzukehren. Ich möchte damit meinem Fluss des Lebens einen neuen Klang geben. Ich bleibe nochmal stehen und schaue mir den rauschenden Bach genau an. Dort ist eine Brücke, ich wage mich drüber, den Stein fest in der Hand. Ich bin jetzt mutig, Ich gehe ans Ufer und werfe den Mut Stein in meinen Fluss des Lebens. Ja, es spritzt, wunderschöne Wassertropfen entstehen, ein dumpfer Klang ist zu hören. Frieden.

Wieder zurück auf der Wiese fühle ich mich auf einmal so verloren ohne meinen Mut Stein. Ich schaue mich um, so allein und verloren. Ich brauche noch etwas. Ich sehe die Bäume am Ufer. Sie geben mir Kraft, sie wirken so kraftvoll und beständig. Der rauschende Bach kann sie nicht erschüttern, ihre Wurzeln reichen in den Bach. Ich lehne mich an den Stamm und fühle eine Sicherheit. Ich fühle mich vom Baum geschützt und geborgen. Mein inneres Kind freut sich.

Ich bin angekommen am Fluss meines Lebens.

Ich kann das rauschende Wasser sehen, es fließt, immer weiter. Ich fließe, mein Leben fließt.